Eindeutschungen im Deutschen Reich sowie in Preußen und Sachsen im 19. Jahrhundert

Zusammenstellung: Gernot Meißner, Berlin

 

Postwesen (1874-75)

760 Eindeutschungen meist französischer Postwörter durch Generalpostmeister Heinrich von Stephan, z.B.

Fremdwort

Eindeutschung

Anciennetät Dienstalter
Couvert Briefumschlag
Correspondenzkarte Postkarte
Mandat Postanweisung
poste restante postlagernd
recommandiert eingeschrieben
Remboursement Nachnahme
Retour-Recepisse Rückschein

 

Bau- und Bahnwesen (1886-1893)

1300 Eindeutschungen in Satzungen, Verordnungen und Veröffentlichungen durch den Verband deutscher Architekten- und Ingenieurvereine, veröffentlicht im Zentralblatt der Bauverwaltung, z.B.

Fremdwort

Eindeutschung

Coupé Abteil
Velo Fahrrad
Perron Bahnsteig
Passagier Fahrgast
Billetexpedition Fahrkartenausgabe
Barriere Schranke
Passagierbillet Fahrschein
Tertiärbahn Kleinbahn

 

Justizwesen (ab 1871)

1841 erließ der Preußische Justizminister an die ihm unterstellten Beamten die Anweisung, Fremdwörter möglichst zu meiden. 1863 wurden im Sächsischen BGB zahlreiche Fremdwörter durch deutsche Ausdrücke ersetzt. Nach 1871 verpflichtete sich der mit der Planung der neuen Reichsgesetze betraute Ausschuß, zu einer mäßigen Sprachreinigung, u.a.

Fremdwort

Eindeutschung

Insinuations-Dokument Zustellungsurkunde
amortisieren für kraftlos erklären
Mundum Reinschrift
Pension Ruhegehalt

 

Militärwesen (1899)

1887 ersetzte ein offizieller Ausschuß von Generalstabsoffizieren in der "Felddienstordnung" und der "Schießvorschrift für die Infanterie" alle militärischen Fremdwörter durch deutsche Ausdrücke. 1899 ordnete Kaiser Wilhelm II eine Eindeutschung militärischer Dienstgrade und personenbezogener Bezeichnungen an, z.B.

Fremdwort

Eindeutschung

Offiziers-Aspirant Fahnenjunker
Portepee-Fähnrich Fähnrich
Second-lieutenant Leutnant
Avancement Beförderung
Detachement Abteilung
Charge Dienstgrad
Anciennetät Dienstalter

 

(© G.Meißner, Berlin 2001)

 

Quelle: Kirkness, Alan: Zur Sprachreinigung im Deutschen 1789-1871. Eine historische Dokumentation. (Bd. 26.1 und 26.2 der Forschungsberichte des Instituts für deutsche Sprache, Mannheim. Hgg. von Engel, U. / Vogel, I.). Tübingen 1975.